Wachstum

Energiewende, ein schönes Wort. Und auf den ersten Blick ein löblicher Gedanke. Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. So soll das sein.

Aber wird denn nun wirklich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? OberflÀchlich bestimmt, es ist der Versuch etwas UmweltschÀdliches gegen etwas weniger UmweltschÀdliches zu ersetzen. Sonne gegen Atom, Wind gegen Kohle.

Löblich. Aber nachhaltig etwas gelernt? Wohl eher nicht. Ziel und Zweck der Energiegewinnung ist nun mal, noch mehr Energie zu gewinnen (wie auch immer)- und das dient dem Zweck, noch mehr wirtschaftliches Wachstum möglich zu machen.

Wenn wir nun aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hĂ€tten, mĂŒssten wir erkennen, dass unserer Streben nach immer noch mehr Wachstum gleichzeitig auch unser VerhĂ€ngnis ist.

Und so sind Menschen, die es scheinbar gut mit uns und der Erde meinen, doch nur ausfĂŒhrende Hand, ob freiwillig oder unbewusst spielt dabei keine Rolle, eines falsch verstandenen Lebensinhalts einer ganzen Gesellschaft.

Jede Spezies reguliert sich selbst, bis auf den Menschen. Nahrung, Raum, Konkurrenten usw. sind die Faktoren der Populationsregulierung. Ein natĂŒrlicher Vorgang, der fĂŒr natĂŒrliches Gleichgewicht sorgt.

Wir Menschen akzeptieren aber nicht, dass fĂŒr uns zum einen das obere Ende der Ausdehnung erreicht ist, zum anderen wir alles, zumindest als Kollektiv, im Überfluss besitzen. Mehr brauchen wir nicht und mehr geht auch nicht, wenn wir als Rasse ĂŒberleben wollen.

Ein tatsĂ€chlicher Fortschritt wĂ€re also, sich die Frage zu stellen, ob noch mehr Wachstum im Außen erforderlich ist, oder ob wir mit dem Erreichten einfach vernĂŒnftiger umgehen sollten. Bei einem vernĂŒnftigen Umgang mit uns, unserer eigenen "kleinen" Welt im engeren Sinn, verbunden mit dem ehrlichen Wunsch nach persönlichem, nicht oberflĂ€chlich materiellem GlĂŒck ist genug Raum und auch (materielle) FĂŒlle fĂŒr jeden Einzelnen da.

Freilich ist es einfacher, auf gewohnten, eingetretenen Pfaden, einer Schafherde gleich, hinter Hirten herzulaufen, die es scheinbar gut mit uns meinen und uns auch klar sagen können, was wir fĂŒr ein glĂŒckliches, sicheres Leben brauchen. Und insgesamt gutgehen tut es uns doch auch. Warum also umdenken und Verantwortung ĂŒbernehmen.

Die Antwort möchte ich nicht vorenthalten. Weil ich will, dass es meinen Kindern und auch deren Kindern an nichts mangelt in ihrem Leben. Weil ich will, dass auch sie in FĂŒlle leben können.

Wandel innerhalb der menschlichen Gesellschaft kĂŒndigt sich Gott sei Dank schon seit lĂ€ngerer Zeit an, aber auch dieser Wandel hat viel von "verschieben". Ähnlich der Energiewende, eins gegen das andere tauschen und sich dabei gut, wichtig und richtig fĂŒhlen.

An dem Punkt möchte ich gerne ein Wort an die Aussteiger, Hippies, KommunengrĂŒnder, Weltverbesserer und ökologisch Korrekte richten: egal wo auf dieser Welt ihr euch niederlasst und versucht ein "ganzheitliches" Leben jenseits unserer Zivilisation zu fĂŒhren, vergesst dabei nicht, dass euch auch dort der PlastikmĂŒll auf den Kopf regnet und sobald ihr einen Spatenstich tut ihr tötet, verĂ€ndert und auch Zivilisation bringt.

So oder so sei die Frage erlaubt, ob der Ausstieg aus unserer Form des Lebens nicht doch vielleicht die Angst vor der eigenen Courage ist, die eigentlich notwendig wĂ€re. Nicht das Aussteigen ist die Lösung. Das Bleiben ist es. Gut, leichter ist es auch da sicherlich nicht da zu sein und mich ĂŒber die Gesellschaft zu erheben, will ich doch versuchen, ein anderes Leben zu fĂŒhren. FĂŒr mich ist das, ganz ehrlich, die gleiche Art von Arroganz, die auch der Finanzmensch hat, wenn er sich ĂŒber die Dinge stellt.

Nicht böse sein, liebe Aussteiger, aber viele von euch geben so ein schönes Beispiel dafĂŒr ab, an dem man sehen kann, dass lediglich die Lebensform sich geĂ€ndert hat, nicht aber der Kern.

Und wie so oft, genau um diesen Kern geht es letztlich. Nachhaltiges GlĂŒck, ErfĂŒllung und FĂŒlle finde ich immer nur dann, wenn ich mich gefunden habe. Das Innere festigt sich dann im Äußeren. Erst dann bin ich wirklich bereit fĂŒr VerĂ€nderung in wahrhaftiger, ganzer Tiefe. Und das verĂ€ndert unser Sein und damit automatisch die Welt. Und es ist eben auch der einzige Weg zu etwas, was ich gerne „nachhaltiges Wachstum ohne Zerstörung“ nennen möchte.

Zu guter Letzt aber noch einmal zurĂŒck zur Energie: unsere Erde hĂ€lt Energie im Überfluss fĂŒr das Leben bereit. Auch regional betrachtet ist immer ausreichend Energie vorhanden, wurzelnd in den Elementen die der Erde zueigen sind. Wurzelnd in Feuer, Wasser, Erde und Luft.

Die Energie darin, die nicht einmal verschlossen ist, also auch nicht erschlossen werden muss, ist unbegrenzt und kostenlos. Wenn uns das Umdenken des Wachstums von Ă€ußerem zu innerem Wachstum gelingt, dann wird sich diese Energie uns tatsĂ€chlich und freiwillig erschließen. Und zwar ganz leicht....