Visionssuche - Abenteuerurlaub oder Hingabe?

Sicher ist, dass die Sehnsucht nach Ver├Ąnderung, Ganzheit oder auch das Erkennen der eigenen Lebensaufgabe immer ├╝ber das eigene Ich f├╝hrt.

Der Wunsch nach Heilung, nach einer Richtung oder einem Fingerzeig, die Bitte um Antwort auf eine existenzielle Frage oder einfach nur, zu leben, letztlich also das Erkennen des eigenen Seins kann nur ├╝ber das ganz eigene Er-leben f├╝hren.

Von vielen Kulturen wissen wir, dass sich die Menschen in die Natur zur├╝ckzogen und heute noch ziehen, um zu beten, zu bitten und um - sich selbst- zu erfahren. In erster Linie taten und tun das die Menschen f├╝r sich selbst, manchmal aber auch f├╝r andere.

Der Ausdruck Visionssuche ist in meinen Augen etwas irref├╝hrend. Denn es geht nicht nur darum, Visionen zu erbitten, sondern ebenso Antwort auf allt├Ągliche Fragen zu erhalten oder vielleicht auch seinem Wunsch nach einem erf├╝llten, gesunden Leben Aus- und Nachdruck zu verleihen.

Diese Bezeichnung mag f├╝r manch einen dann implizieren, dass wir f├╝r ein paar Tage in die Natur gehen und mit einer all-umfassenden Vision zur├╝ckkehren, um von da ab zu wissen, was wir bis zum Ende unseres irdischen Daseins zu tun haben. Ganz so funktioniert das allerdings meist nicht. Es ist durchaus m├Âglich, dass einigen Menschen genau das widerf├Ąhrt, doch die Regel ist das eher  nicht.

Wallace Black Elk, einer der gro├čen und bekannten Schamanen der Lakota sagte einmal, mit einem Grinsen auf den Lippen, auf seine spirituelle Kraft angesprochen: "Nun, noch eine Visionssuche, dann bin ich fertig". Zu diesem Zeitpunkt war er ein alter Mann der bereits 63 Visionssuchen hinter sich hatte.

Wir Menschen erhalten genau so viel, wie wir auch tragen k├Ânnen. Was w├Ąre, wenn sich unser Lebensplan und -sinn mit einem Mal entfalten w├╝rde und diese Aufgabe f├╝r unser Mensch-sein schlicht und ergreifend zu gro├č ist?

Eine Vision muss wachsen. Eine Vision braucht Zeit, um zu reifen, genug Zeit f├╝r die Entwicklung eines Fundaments, in dem sie wurzeln und sprie├čen kann. Auch die beste Vision macht nicht gl├╝cklich, wenn sie keine Erf├╝llung findet.

Eine Visionssuche ist das ├ľffnen einer T├╝r, ohne zu wissen, was dahinter ist. Es geht um ein gro├čes Schwellenritual und dar├╝ber hinaus um ein klares Statement f├╝r das (eigene) Leben.

Angst und Unwohlsein begleiteten wohl die allermeisten Visionssucher und doch sind es Mut und Absicht, die uns begleiten, die uns Vertrauen und Kraft schenken.

Hingabe in das eigene Sein, die Gedanken ablegen und still werden, um der eigenen Stimme zu lauschen, die allm├Ąhlich zu fl├╝stern beginnt, sich vielleicht im Rauschen der Bl├Ątter manifestiert, all das und mehr ├Âffnet die T├╝r - es geschieht, was geschehen darf.

Einsamkeit ist fehl am Platz, ist lediglich ein Ausdruck von Abgeschnittenheit. Wir sind Natur und so mit allem verbunden, auch mit den Bewohnern der W├Ąlder und Berge, der Wasser und der L├╝fte. Alles ist beseelt und lebendig und wir k├Ânnen das auch sp├╝ren, wenn wir es uns erlauben. Wir sind zwar allein mit uns, aber nicht einsam. Die Natur ist unser Zuhause und unser Lehrer.

Wenn wir zulassen, in Demut zu h├Âren und zu sehen, uns in Hingabe ├╝ben und akzeptieren, was gerade ist, dann ist die Chance gro├č, das zu finden, wonach wir suchen.

Und all das, weil unsere Seele wei├č!